Das Fard- und das Nafila-Gebet

Die Gebete als Gebot sind in zahlreichen Quran-Versen erwähnt. Doch ist ihre Form dort nicht in allen Einzelheiten Beschrieben.
Im Quran finden sich jedoch die sechs elementaren Bestandteile des Fard-Gebetes:

1. Tahrim
2. Quran-Rezitation
3. Ruku
4. Sugud
5. Tasahhud
6. Taslim bzw. Tahlil

Die Beschreibung des Gebetes finden wir in den Haditen. Die Grundlage all dieser Bestimmungen und Richtlinien bildet der Hadit des Propheten (a.s.s), in dem er sagte:
"Betet so, wie ihr mich beten saht."
Beim Einzelgebet spricht man nicht laut, aber man darf auch nicht nur in Gedanken sprechen, sondern Lippen und Zunge müssen bewegt werden; denn sonst ist das Gebet ungültig.

Die Augen richtet man beim Gebet auf die Stelle, wo man bei der Niederwerfung mit der Stirn den Boden berühren wird; man soll also weder die Augen schließen noch den Blick zum Himmel erheben.

 

 

1. Tahrim

Nachdem man die Vorbedingungen erfüllt hat, folgt die eigentliche Eröffnung des Gebetes mit dem Takbir at-tahrim:
Der Mann hebt seine beiden geöffneten Hände bis in Höhe der Ohren und sagt:

Allahu akbar.
Allah ist größer.

Die Frau hebt die geöffneten Hände bis in Schulterhöhe und sagt ebenfalls:

Allahu akbar.

Dann legt der Mann oberhalb der Gürtellinie die Rechte Hand über die linke, und zwar so, dass die obere die untere bedeckt und dabei Daumen und Zeigefinger der rechten Hand das Handgelenk der linken umfassen. Die Frau legt die Hände in derselben Weise übereinander, aber so, dass sie dabei die Brust bedecken. Nach der malikitischen Rechtsschule ist des auch erlaubt, beide Arme an den Seiten nach unten hängen zu lassen.

Der Gläubige hat damit seine Verbindung zur Außenwelt abgebrochen und befindet sich nun in Gedanken vor Allah (t). Diesen Vorgang nennt man Tahrim. Von nun an muß der Betende alles vermeiden, was sein Gebet ungültig machen könnte.
Dann spricht der Betende ein kurzes Lob- und Bittgebet, z.B. in der Form, wie es von `Umar (r) überliefert wird:

Subhanaka-llahumma wa bi-hamdika,
wa tabaraka-s-muka, wa ta`ala Gadduka,
wa la ilaha gairuk.
Gepriesen seist Du, o Allah.
Und Dein ist das Lob, und gesegnet ist dein Name,
und erhaben sind Deine Majestät und Größe.
Und kein Gott ist da außer Dir.

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2. Quran-Rezitation

Die beiden Rak`a des Fagr-Gebets sowie die beiden ersten Rak`a des Magrib- und des `Isa`-Gebetes rezitiert der Betende laut, die restlichen und die des Zuhr und des `Asr-Gebetes jedoch alle lautlos. Daraufhin bittet man Allah (t) um Schutz vor dem verfluchten Satan und sagt:

A`udu billahi mina-s-saitani-r-ragim.
Ich nehme meine Zuflucht bei Allah vor dem verfluchten Satan.

Nun erfolgt die Quran-Rezitation, und zwar mit der ersten Sura des Quran, der Al-Fatiha. Man beendet diese Sura mit der Schlussformel Amin (Amen).
Nach der Al-Fatiha rezitiert der Betende eine weitere Sura oder einige Verse einer Sura nach eigener Wahl.

Wegen verschiedener Nachfragen sei hier folgendes angemerkt: Grundsätzlich sind alle Gebetstexte in arabischer Sprache zu rezitieren. Unter einigen Gelehrten besteht allerdings die Meinung, daß neu zum Islam Übergetretene anfangs das Gebet in ihrer Muttersprache verrichten dürfen. Doch auch diese müssen sich darum bemühen, sich die arabischen Texte als bald als möglich anzueignen.

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3. Ruku

Nach Beendigung der Quran-Rezitation hebt der Betende, nach Anweisung einiger Rechtsschulen, seine Hände wie beim Tahrim und sagt:

Allahu akbar.

Der hanafitischen Rechtsschule zufolge sagt er diese Worte, ohne dabei die Hände zu heben.

Dann beugt er seinen Oberkörper um etwa 90° nach vorn und legt seine Hände auf die Knie.

Nun sagt er mindestens dreimal:

Subhana rabbiya-l-`Azim
Gepriesen sei mein allmächtiger Herr.

Diese Körperbeugung wird Ruku genannt.

Indem er sich wieder aufrichtet spricht der Betende:

Sami`a-llahu li-man hamidah
Allah hört den, der Ihn lobpreist.

Nach dem Aufrichten sagt man:

Rabbana wa laka-l-hamd
UnserHerr, und Dir Gebührt alles Lob.

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4. Sugud

Auf das Aufrechtstehen nach dem Ruku folgt der Sugud (die Niederwerfung), der ebenfalls durch die Worte

Allahu akbar

Eingeleitet wird, jedoch ohne Heben der Hände.

Der Mann berührt beim Sugud mit folgenden Körperteilen den Boden: Stirn, Nase, beiden Handflächen, wobei die Finger in die Gebetsrichtung zwigen, beiden Knien und den Zehenm die ebenfalls in Gebetsrichtung weisen. Nach einigen Überlieferungen sinkt man zuerst auf die Knie und berührt dann mit Händen und Stirn den Boden, nach anderen berührten die Hände vor den Knien den Boden. Die Stirn liegt zwischen beiden Händen, die Unterarme befinden sich nicht auf dem Boden, sondern sind nach oben angewinkelt. Die Füße stehen aufrecht auf den Zehenspitzen. Der Oberkörper wird möglichst hoch vom Erdboden entfernt gehalten.
Dagegen führt die Frau den Sugud möglichst "flach" und "eng" aus: Stirn und Nase berühren zwischen beiden Händen den Boden, und zwar so dicht wie möglich vor den Knien. Die Unterarme liegen möglichst eng am Körper auf dem Boden auf, wobei die Ellenbogen etwas hinter den Knien ruhen. Die Füße berühren mit dem Spann den Boden und die Zehen weisen nach hintern.
In dieser Körperhaltung sagt der Betende mindestens dreimal:

Subhana rabbiya-l-A`la
Gepriesen sei mein allerhöchster Herr.

Nach dem Sugud nimmt der Betende eine sitzende Stellung ein und sagt dabei:

Allahu akbar

Männer sitzen auf dem linken Fuß, der nun flach auf dem Boden liegt, während der rechte Fuß, auf die umgebogenen Zehen gestützt, in aufrechter Stellung verbleibt. Die Hände befinden sich auf den Oberschenkeln, wobei die Handflächen flach auf ihnen liegen.
Frauen dürfen den rechten Fuß in lockerer Seitenlage auf dem Boden ruhen lassen.
In dieser Haltung bittet man Allah (t) um Vergebung mit den Worten:

Rabbi-gfir li, rabbi-gfir li
Mein Herr, vergib mir (zweimal).

Dem ersten Sugud folgt ein zweiter in derselben Weise wie der erste. Auch er wird von einem Takbir, also mit den Worten

Allahu akbar

Eingeleitet.
Den Gebetsabschnitt vom Eröffnungs-Takbir bis nach dem zweiten Sugud nennt man Rak`a.
Beim Aufstehen zur zweiten Rak`a sagt man wieder die Worte des Takbir:

Allahu akbar

Jedoch ohne die Hände zu erheben.
Die zweite Rak`a wird wie die erste ausgeführt, beginnt jedoch sofort mit der Quran-Razitation, also mit der Al-Fatiha.

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5. Tasahhud

Der erste Tasahhud
Nach dem zweiten Sugud der zweiten Rak`a nimmt man dieselbe sitzende Stellung wie zwischen den beiden Sugud ein und spricht den Tasahhud. Er lautet:

At-tahi-yatu li-llahi was-salawatu wat-tai-yibat.
As-salamu alaika ai-yuha-nabyyu
Wa rahmatu-llahi wa barakatuh.
As-salamu alaina wa ala ibadi-llahi-s-salihin.
Ashadu anna la ilaha illa-llah, wa ashadu anna Muhammadan
Abduhu wa rasuluh.

Alle Ehrenbezeigungen,
Gebete und guten Taten gebühren Allah.
Der Friede sei auf dir, o Prophet,
und die Barmherzigkeit Allahs und sein Segen.
Der Friede sei auf uns
Und auf den Rechtschaffenen Dienern Allahs.
Ich bezeuge, dass kein Gott da ist außer Allah
Und ich bezeuge, dass Muhammad sein Diener
Und Gesandter ist.

Kommt man beim Tasahhud an die Worte

Ashadu anna la ilaha illa-llah

So streckt man auf Anweisung einiger Rechtsschulen den Zeigefinger der rechten Hand nach oben; anderen zufolge bewegt man ihn während des ganzen Tasahhud ständig auf und ab.
Nach Gebeten, die aus mehr als zwei Rak`a bestehen, erhebt sich der Betende nach diesem ersten Teil des Tasahhud und betet nach wie vor die restlichen Rak'a. Dabei besteht die Quran-Rezitation…
…bei Fard-Gebeten nur noch aus der Al-Fatiha.
…bei Nafila-Gebeten, wie beschrieben, aus Al-Fatiha und einem weiteren Abschnitt aus dem Quran.


Der letzte Tasahhud
Bei Gebeten, die aus zwei Rak'a bestehen, schließt man dem oben beschriebenen ersten Teil des Tasahhud den folgenden zweiten Teil an:

Allahumma salli ‚a la Muhammad
Wa 'ala ali Muhammad, kama salaita 'ala Ibrahim
Wa 'ala ali Ibrahim.
Wa barik 'ala Muhammad wa 'ala ali Muhammad,
kama barakta 'ala Ibrahim
wa 'ala ali Ibrahim, fil-'alamin.
Innaka hamidu-m-magid.

O Allah, schenke Muhammad Heil und der Familie
Muhammads, so wie du auch Abraham
Und der Familie Abrahams Heil geschenkt hast.
Und segne Muhammad und die Familie Muhammads,
so wie du auch Abraham und die Familie Abrahams
gesegnet hast, in allen Welten.
Du bist ja der zu Preisende, der Rühmenswerte.


Bei Gebeten mit mehr als zwei Rak'a sitzt man nach dem letzten Sugud ebenfalls in der beschriebenen Weise und spricht beide Teile des Tasahhud.

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6. Taslim bzw. Tahlil

Das Gebet wird beendet, indem man den Kopf zuerst nach rechts wendet und sagt:

As-salamu `alaikum wa rahmatu-llah.
Friede sei auf euch und die Barmherzigkeit Allahs.

Dann wendet man den Kopf nach links und wiederholt denselben Satz. Die Augen richtet man dabei auf die jeweilige Schulter.

Nun ist man aus dem Gespräch mit Allah (t) entlassen und kann wieder ganz den weltlichen Geschäften und Problemen nachgehen. Alle während des Gebets verbotenen Dinge sind nun wieder erlaubt.

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